Sizilianische Bio - Zitronen: Wie man sie hegt und pflegt - Pasam Agrumi

Sizilianische Bio – Zitronen: Wie man sie hegt und pflegt

Unter Bio- Zitrone versteht man ein Produkt, das frei von synthetischen oder chemischen nur unter Verwendung natürlicher Substanzen nach baumschulgerechten Regeln zur Reife gelangt ist.
Wir, die landwirtschaftlichen Produzenten von Bio- Zitronen, arbeiten im Freien, was zur Folge hat, dass wir uns täglich mit all‘ dem, was die Natur bietet und verheißt, auseinanderzusetzen haben. Das bedeutet, dass unsere Zitronen auf Gedeih und Verderb Wetterbedingungen und leider auch Insekten- und Parasitenbefall aller Art ausgesetzt sind.

Diese beschädigen die Ernte, aber auch die Bäume selbst, was es zu verhindern gilt, wenn man den Zitronenhain nicht verlieren möchte. Aber wie? Für uns Bio- Zitronen- Produzenten verbietet sich aus ethischer und rechtlicher Sicht der Einsatz von synthetischen Chemikalien aus zweierlei Gründen:
Der offensichtlichste ist, dass es unsere Regeln nicht erlauben. Nicht ganz so trivial ist, dass die, die an diese Arbeit glauben, sich bereits vor mehr als 10 Jahren das biologische Bekenntnis auf ihre Fahne geschrieben haben, nicht mit der Schädigung der Natur und allem, was sie bietet, fortfahren zu wollen. Hemmungsloser Einsatz chemischer Schädlingsbekämpfungsmittel garantiert zwar in der Tat binnen kürzester Zeit eine ästhetisch perfekte Nicht-Bio-Zitrone, doch man fügt dem Ökosystem so nicht nur unmittelbar Schaden zu, sondern lässt Schädlinge dagegen auf lange Sicht so resistent werden, dass deren Bekämpfung am Ende faktisch unmöglich wird.

Das Grundwasser ist kontaminiert, im Erdreich befinden sich Rückstände durch den jahrzehntelangen Einsatz chemischer Substanzen und wir begünstigen so nicht nur ein Massensterben vieler Tier- und Insektenarten, sondern tragen so auch zur Verbreitung von, für unsere Kulturen, gefährlichen Schädlingen bei. Wir können nicht weiterhin tatenlos dabei zusehen.
An diesem Punkt fragen wir sizilianischen Bio- Bauern uns, wie wir dem Verbraucher ästhetisch schöne und makellose Bio- Zitronen auf den Tisch bringen können. Es stimmt schon, dass wir uns hauptsächlich um die Qualität im Inneren der Zitrone sorgen sollten, aber das Auge isst ja bekanntlich mit…

Wir können Praktiken und natürliche Techniken verwenden, die es uns ermöglichen, der Entwicklung der Populationen von Schadinsekten in unseren Zitronen entgegenzuwirken und diese unter biologischer Kontrolle zu halten. Dies ist ein absolut geniales Vorgehen, uns die Antagonisten unserer Bio- Zitronen vom Leibe zu halten, ohne die bereits prekäre Lage in der Natur zu verschlimmern und nebenher noch das Heranwachsen nützlicher Insekten- Populationen zur Verteidigung unserer Bio- Zitronen zu ermöglichen.

Man braucht in biologischen Zitronenhainen eine gewisse Anzahl von typisch Pflanzenfresser feindlichen Insekten, die den Schädlingsbefall dynamisch unter biologischer Kontrolle halten, als da wären: Schmarotzer und Beuteinsekten, die miteinander in Konkurrenz stehen. Erstere leben auf Kosten der siedelnden Blattschädlinge, unterbinden dadurch deren vollständige Entwicklung und bringen ihnen somit den Tod. Im zweiten Fall handelt es sich um natürliche Feinde, die sich von den Schädlingen, die unsere Zitronenbäume befallen, ernähren. Eine weitere Facette der biologischen Kontrolle ist die sogenannte „sexuelle Verwirrung“: Dabei sorgt man durch Freisetzung von Phänomonen in der Umgebung der Schädlinge für Verwirrung. Hierdurch wird die Möglichkeit, paarungsbereite Weibchen zu finden, erschwert, was letztendlich das Scheitern der Fortpflanzung ihrer Art zur Folge hat. Wir wünschen uns daher, dass immer mehr Bauern zur Philosophie des biologischen Zitronen- Anbaus finden, und dass sich die, die sich nicht mit den biologischen Techniken anfreunden können, in umsichtiger Weise um einen ergänzenden Pflanzenschutz bemühen und biologische Kontrolle als eine grundlegende Möglichkeit zum Schutz der Zitronen anerkennen. Nur so können wir den nachhaltigen Fortbestand mit dem Ziel realisieren, zukünftigen Generationen etwas positives zu hinterlassen.